Ohrenschmerzen

Mögliche Ursachen: Woher kommen die Schmerzen?

Um Ohrenschmerzen richtig behandeln zu können, muss man die Ursache kennen. Das Ohr gliedert sich in Außenohr, Mittelohr und Innenohr. Je nachdem, wo das Problem liegt, äußern sich die Beschwerden unterschiedlich.

Die Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Eine häufige Ursache ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Sie entsteht oft durch kleine Verletzungen der Haut im Gehörgang – etwa durch Wattestäbchen – oder durch Feuchtigkeit. Besonders im Sommer sind Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen verbreitet, auch als „Badeotitis“ bekannt. Chlor- oder Meerwasser weicht die Schutzschicht der Haut auf, wodurch Bakterien oder Pilze leichter eine Infektion auslösen können.

Die Mittelohrentzündung (Otitis media)

Mittelohrentzündungen betreffen vor allem Kinder, können aber auch bei Erwachsenen auftreten. Die Symptome sind oft pochende Schmerzen, Fieber, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl und Hörminderung. Häufig geht ein Schnupfen oder eine Erkältung voraus, bei der Bakterien über den Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr gelangen.

Der direkte Vergleich

Ein einfacher Test hilft bei der Unterscheidung: Zieht man sanft an der Ohrmuschel oder drückt auf den Knorpel vor dem Gehörgang (Tragus) und der Schmerz verschlimmert sich dabei, spricht das für eine Gehörgangsentzündung. Bei einer Mittelohrentzündung sitzt der Schmerz tief hinter dem Trommelfell; ein Ziehen an der Ohrmuschel verändert ihn in der Regel nicht.

Anatomie des Ohrs mit Außenohr, Mittelohr und Innenohr

Spezifische Schmerzarten und was sie bedeuten

Die Art des Schmerzes, der Zeitpunkt des Auftretens und Begleiterscheinungen liefern wichtige Hinweise auf die Ursache.

Stechende Schmerzen und Schluckbeschwerden

Stechende Ohrenschmerzen können durch einen akuten Infekt, einen Fremdkörper im Ohr oder – seltener – einen Trommelfellriss ausgelöst werden.

Schmerzen beim Schlucken haben ihren Ursprung oft nicht im Ohr selbst. Da Hals, Rachen und Ohr über Nervenbahnen eng verbunden sind, strahlen Schmerzen bei einer Mandel- oder Rachenentzündung häufig bis ins Ohr aus.

Kieferschmerzen und Verspannungen

Manchmal ist das Ohr medizinisch unauffällig, und der Schmerz kommt vom Kiefergelenk. Nächtliches Zähneknirschen, Zahnfehlstellungen oder Nackenverspannungen können das Kiefergelenk belasten, das anatomisch direkt an den Gehörgang grenzt. Dieses Phänomen wird als Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet.

Einseitig oder beidseitig?

Bei Erwachsenen treten Ohrenschmerzen meist einseitig auf, etwa bei einer lokalen Gehörgangsentzündung. Beidseitige Schmerzen deuten eher auf einen systemischen Infekt oder eine Grippe hin.

Person massiert sich den verspannten Kiefer

Druck auf den Ohren und Begleitsymptome

Ein dumpfes Druckgefühl im Ohr ohne eigentliche Schmerzen kann den Alltag ebenfalls beeinträchtigen.

Probleme mit der Ohrtrompete

Dieses Druckgefühl entsteht meist durch eine Belüftungsstörung der Eustachischen Röhre (Ohrtrompete), die das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum verbindet und den Druckausgleich regelt. Bei einer Erkältung schwillt die Schleimhaut an, die Röhre blockiert, und es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr.

Oft helfen einfache Maßnahmen:

  • Abschwellende Nasensprays (nicht länger als 7 Tage anwenden)
  • Kaugummi kauen oder Gähnen
  • Das Valsalva-Manöver: Nase zuhalten und sanft Luft in die Nase pressen, bis es im Ohr knackt

Alarmsignale: Schwindel und Ohrgeräusche

Kommen Schwindel oder Tinnitus hinzu, sollte man das ärztlich abklären lassen. Diese Symptome können darauf hinweisen, dass das Innenohr – mit Gleichgewichtsorgan und Gehörhaarzellen – betroffen ist. Mögliche Ursachen sind ein Hörsturz, eine fortgeschrittene Mittelohrentzündung oder das Menière-Syndrom.

Was tun im Akutfall? Linderung und bewährte Hausmittel

Wenn die Ohren nachts plötzlich schmerzen und keine Apotheke geöffnet hat, gibt es einige Maßnahmen, um die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken.

Klassische Hausmittel

Wärme kann bei vielen Ohrenbeschwerden lindernd wirken. Eine Rotlichtlampe, die im Abstand von etwa 30 bis 50 Zentimetern für 10 Minuten auf das betroffene Ohr gerichtet wird, fördert die Durchblutung.

Bewährt hat sich auch das Zwiebelsäckchen: Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken antientzündlich und antibakteriell. So wird es gemacht:

  1. Eine mittelgroße Zwiebel fein hacken.
  2. Die Würfel kurz in der Pfanne oder Mikrowelle leicht erwärmen (nicht kochen).
  3. Die warmen Zwiebelstücke in ein sauberes Baumwolltuch oder eine Socke füllen und zubinden.
  4. Das Säckchen für etwa 20 bis 30 Minuten auf das betroffene Ohr legen und bei Bedarf mit einem Stirnband fixieren.
Zubereitung eines Zwiebelsäckchens als Hausmittel

Ohrenschmerzen bei Kindern behandeln

Da die Eustachische Röhre bei Kindern noch viel kürzer und waagerechter verläuft als bei Erwachsenen, sind sie deutlich anfälliger für Ohreninfekte. Wenn Sie Ohrenschmerzen bei Kleinkindern lindern wollen, gilt es, das Kind zunächst zu beruhigen, da Stress und Weinen den Druck im Kopf noch erhöhen. Neben dem Zwiebelsäckchen hilft es, den Oberkörper des Kindes im Bett leicht hochzulagern, damit die Schleimhäute besser abschwellen können. Ausreichend Flüssigkeit und bei Bedarf (und nach Rücksprache mit dem Kinderarzt) ein altersgerechtes Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sorgen für eine ruhige Nacht.

Medikamentöse Behandlung und Ohrentropfen

In der Apotheke gibt es verschiedene rezeptfreie Präparate. Abschwellende Nasentropfen sind – wie bereits erwähnt – sehr effektiv, um das Ohr von innen zu belüften.

Wer spezielle Tropfen für das Ohr verwendet, muss auf die richtige Anwendung von Ohrentropfen achten. Beachten Sie folgende Tipps:

  • Wärmen Sie das Fläschchen vor der Anwendung einige Minuten in der geschlossenen Hand an. Kalte Tropfen im Ohr können zu starken Schwindelanfällen führen.
  • Legen Sie sich auf die Seite, sodass das schmerzende Ohr nach oben zeigt.
  • Ziehen Sie die Ohrmuschel leicht nach hinten und oben (bei Erwachsenen) oder nach hinten und unten (bei Kindern), um den Gehörgang zu begradigen.
  • Träufeln Sie die Tropfen ein und bleiben Sie noch einige Minuten liegen.
  • Wichtige Warnung: Ohrentropfen dürfen niemals angewendet werden, wenn der Verdacht besteht, dass das Trommelfell verletzt sein könnte (z. B. wenn Flüssigkeit aus dem Ohr läuft), es sei denn, der Arzt hat es ausdrücklich verordnet!

Wann ist ärztlicher Rat gefragt?

Ohrenschmerzen als Symptom sollten niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Doch wann mit Ohrenschmerzen zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Bei starken, plötzlich auftretenden Schmerzen ist ein zeitnaher Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) oder Hausarzt ratsam. Suchen Sie in folgenden Fällen zwingend und unverzüglich ärztliche Hilfe auf:

  • Wenn die Schmerzen nach ein bis zwei Tagen trotz Hausmitteln nicht besser werden.
  • Bei hohem Fieber oder einem steifen Nacken.
  • Wenn Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus dem Ohr läuft (dies deutet auf ein gerissenes Trommelfell hin).
  • Wenn plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit auftritt.
  • Bei extremen Schwellungen oder Rötungen hinter der Ohrmuschel (Verdacht auf Mastoiditis, eine gefährliche Knochenentzündung).
  • Wenn Babys und sehr kleine Kinder von Ohrenschmerzen betroffen sind.

Der Arzt kann mit einem Otoskop tief in den Gehörgang schauen, das Trommelfell beurteilen und genau feststellen, ob Bakterien, Viren, ein Pfropf aus Ohrenschmalz oder eine anatomische Besonderheit die Ursache sind. Oft reicht eine gezielte Behandlung mit entzündungshemmenden Salben, Antibiotika (bei bakteriellen Infekten) oder einer professionellen Ohrenreinigung aus, um schnelle Linderung zu verschaffen.

Arzt untersucht das Ohr eines Patienten mit einem Otoskop

Fazit: Ohrenschmerzen ernst nehmen und richtig handeln

Ganz gleich, ob ein nerviges Druckgefühl, ein leichtes Ziehen oder ein massives Pochen: Ohrenschmerzen sind stets ein Warnsignal des Körpers. Wenn Ohrenschmerzen als Symptom auftreten, zeigen sie uns, dass irgendwo zwischen Kiefer, Rachen und Innenohr eine Irritation oder Entzündung vorliegt.

Mit dem Wissen über die verschiedenen Ursachen – von der Badeotitis über die Mittelohrentzündung bis hin zur Kieferverspannung – können Sie Ihre Beschwerden besser einordnen. Traditionelle Hausmittel wie das bewährte Zwiebelsäckchen und die Anwendung von abschwellenden Nasensprays bieten oft eine großartige Erste Hilfe. Dennoch ersetzt dies bei anhaltenden, extrem schmerzhaften oder von Schwindel begleiteten Symptomen keinen Arztbesuch. Hören Sie auf Ihren Körper, schonen Sie sich und geben Sie Ihren Ohren die Pflege und Aufmerksamkeit, die sie benötigen, um bald wieder beschwerdefrei den Alltag genießen zu können.

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